Gnadenkapelle im Farbenrausch

Gnadenkapelle im Farbenrausch.           ~ von Ulrike

 

Eines Morgens im Sommer zogen Regina und ich los, um ein menschenleeres Kevelaer zu fotografieren. Dafür war ich extra früh aufgestanden, weil wir schon um 5.00 Uhr auf dem Weg sein wollten. Schnell raffte ich meine Ausrüstung zusammen, die wegen Nachtaufnahmen am Abend zuvor, nicht wie sonst in der Tasche, sondern verteilt im Haus lag. Schon in der Tür stellte ich fest, die Speicherkarte steckte noch im Kartenleser. Normalerweise merke ich sowas immer erst vor Ort, aber zu dieser frühen Stunde, schien ich wirklich an alles zu denken. Sogar ein kleines Stativ hatte ich eingepackt.

Noch tief beeindruckt davon so fokussiert und organisiert zu sein, ging ich voller Elan über den Kapellenplatz. Kein Mensch war unterwegs auf dem sonst so belebten Platz. Es war ungewöhnlich kalt an diesem Sommermorgen und das goldene Licht auf das wir es abgesehen hatten, schien heute blau zu machen. Denn genauso sah es aus, ein blau-grau verhangener Himmel lauerte über uns.

Regina hatte die Basilika ins Visier genommen und mein Blick fiel auf die kleine Gnadenkapelle. Die Gnadenkapelle ist eine der wichtigsten Wallfahrtsziele der Pilger, was man während der Saison täglich beobachten kann. Nie habe ich sie so menschenleer und still gesehen und dachte, das ist ein Bild wert. Jetzt kam mein kleines Stativ zu Einsatz- Novoflex MicroPod begleitet mich immer, wenn ich kein schweres Gepäck haben möchte, es hat allerdings einen Nachteil – man muss es noch (in meinem Fall mit kalten Fingern) zusammen stecken.

 

Schließlich war auch das geschafft und die Kamera konnte ihre Arbeit aufnehmen. Munter betätigte ich mehrfach den Auslöser ohne das Ergebnis zu checken, denn dieses kleine Stativ befindet sich kurz über Bodennähe und man sieht quasi nichts vom Display. Es sei denn, man beugt sich hinunter aber dafür war es zu früh und zu kalt. Ich stellte das Stativ mal hierhin und mal dorthin, voller Freude über dieses schöne Motiv, bis wir weitergingen.

Unterwegs warf ich einen Blick auf die Aufnahmen und war entsetzt, die Gnadenkapelle sprang mich in einer Art psychedelischen Farbexplosion an. Was war passiert? Ein Blick auf die Kamera und ich wusste Bescheid, die Kamera hatte noch die Einstellungen für die Nachtaufnahme vom Abend zuvor, Blende 18/30sek.  Da war ich doch kurzfristig der Illusion verfallen so organisiert zu sein und schon hörte es mit der ersten Regel „ kontrolliere die Kameraeinstellung“ auf. Der Tag war gelaufen. Müde, frierend und desillusioniert schleppte ich mich hinter Regina her.

 

Zuhause wertete ich dann die Fotos aus und stellte fest: der graue, trübe Morgen kam erschreckend gut rüber. Die Bilder waren matt und trostlos, einzig die Gnadenkapelle im psychedelischen Farbenrausch machte eine Ausnahme. Das Foto zeigt für mich die buntgemischten Pilgerseelen, die sich an der Gnadenkapelle im Laufe der Jahre versammelt haben. Es gefiel mir so gut, es wurde für einige Zeit das Hintergrundbild auf meinem PC.

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