Wilde Haut

 

Meine Geschichte zum Foto                                           ~        von Christa

 

Auf der Suche, was bedeutet für mich filigran, fand ich einige Begriffe:

Fein, feingliedrig, feinlinig, zart, zerbrechlich,.....nein, da ist noch mehr, mehr Gefühl!

Horch doch mal in dich hinein, sagte ich mir.

Die Aufgabe ist also gar nicht so einfach.

 

In meinem Archiv fand ich Spinnennetze, dünnes Porzellan, feine Gräser, ein Perlen-Bäumchen und noch andere Gegenstände, aber alles was ich sah, war für mich irgendwie farblos .....bis ich in Gedanken die Schublade meines alten Schrankes öffnete und bei diesem Foto inne hielt, das ich vor 10 Jahren aufgenommen hatte und mir jetzt bewusst wurde, warum... die Erinnerung an einen besonderen Augenblick.....

 Ich erkenne feine Linien und Poren, die auf mich wie kleine Inseln wirken, so wie Abschnitte eines Lebens.

Höhen und Vertiefungen, kleine Härchen, die sich empor strecken.

Helle und dunkle Farben, nein, ich sehe allmählich, es ist keine Graffiti auf einer Wand.

Es ist ein kleines Stückchen Haut. Ein kleines Stück eines Menschenlebens.

Es ist ein gelungenes Kunstwerk, ein Kunstwerk der Natur und in dieser Form und Anordnung nicht wiederkommend.

Wie empfindlich und fein mag diese Haut gewesen sein?

Vielleicht sehr dünn und zerbrechlich, aber auch liebend und sehr kämpferisch, so wie es das Motiv zeigt?

Aber trotz der Tätowierung, die auf mich wie eine Verkleidung wirkt, erkennt man die feinen Strukturen des Tatsächlichen.

Verwundbarkeit und wenn nichts mehr heilt, das Ende des Daseins oder Beginn der Unendlichkeit.

 

Vielleicht geschah es so,  mit diesem Stückchen Haut...wer weiß? 

 

Lieber "Gnom", vielen Dank für den kleinen Moment der Intimität, diese Fotografie machen zu dürfen.

 

Und nun lege ich das Foto wieder an seinen Ort und schließe die Schublade meines alten Schrankes, bis zum nächsten Mal.

 

Jetzt weiß ich, fotografieren bedeutet für mich: sehen, fühlen und Erinnerung an....  

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ulrike (Freitag, 29 Januar 2016 16:05)

    Eine ganz tolle Geschichte Christa, sie geht wirklich unter die Haut. Danke.